Hannah aus Malterdingen (D) mit ihrem WESTERHEIDE Fahrrad – ein Damen Tourenrad gebaut 1926.

Hannah aus Malterdingen mit ihrem Westerheide Fahrrad gebaut 1926

Westerheide Fahrrad

Die Geschichte der Fahrradmanufaktur westerheide geht zurück in das Jahr 1923. So belegt es zumindest die Gewerbeanmeldung des Firmengründers Walter Westerheide (geboren 1902), die den damaligen Standort im westfälischen Bielefeld-Stieghorst dokumentiert. Nach seiner Mechanikerausbildung wagte Walter Westerheide den Sprung in die Selbstständigkeit, die zunächst mit Fahrradreparaturen begann. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten zwischen 1920 und 1930 wurden Fahrräder und Fahrradrahmen bekanntermaßen so lange repariert, bis sie nur noch für den Schrott taugten. Aus dem Reparaturehrgeiz und den gesammelten Erfahrungen entstand eine Stahl-Rahmenfertigung. Für die Lackierung der Fahrradrahmen konnte “Walter” auf die Kenntnisse seines Onkels Heinrich Westerheide zurückgreifen, der in der Nachbarschaft eine Lackiererei sein Eigen nannte. So entstanden die ersten handgefertigten und lackierten westerheide® – Fahrradrahmen.
1936 wurde die Qualität der Arbeit des Walter Westerheide durch den Meisterbrief der Handwerkskammer zu Bielefeld beurkundet. Beeindruckend waren die Kenntnisse des Walter Westerheide im Maschinen- und Werkzeugbau, der sämtliche Werkzeuge zur Rahmenproduktion selber anfertigte und sich eine große Unabhängigkeit verschaffte, die jedoch durch die Zwänge des zweiten Weltkrieges und die Zuarbeit der Bielefelder Dürkopp – Werke deutlich eingeschränkt wurde.
Glücklicherweise überstand das Unternehmen und die Produktionsstätte die Bombardements während des zweiten Weltkrieges fast schadlos. Ende der 1940er Jahre wurden wieder Fahrräder unter dem Markenzeichen WW produziert. In den folgenden Zeiten wurden in den überschaubaren Produktionshallen bis zu 500 Rahmen pro Tag hergestellt!
Schon immer war das Fahrradsortiment geprägt von Solidität und hoher Handwerkskunst. Aber auch einige sehr erfolgreiche Fahrradexperimente bzw. aus heutiger Sicht “Fahrradexoten” finden sich in der Firmenhistorie. Zu diesen Exoten gehört zum Beispiel das Tiefbaurad (1952), das Teenagerrad (1960) oder das Zerlegerad (1964), von dem in Bielefeld ca. 30.000St. produziert wurden. Besonders gefragt war das Zerlegerad, weil es sich im Gegensatz zu vielen anderen Wettbewerbsmodellen unter der flachen Kofferraumklappe des VW Käfer verstauen ließ.
Vielerlei Patentschriften aus dieser Zeit dokumentieren den Erfindergeist und die Innovationsgabe des Walter Westerheide. Insbesondere war es sein Anliegen, die Stabilität der Rahmen z.B. durch filigrane Muffenkonstruktionen zu optimieren und so die Lebensdauer deutlich zu erhöhen.
In den 70er Jahren brachte westerheide® sogar elegante Rennräder auf den Markt, die jedoch hauptsächlich in die Schweiz und USA exportiert wurden. Die Flexibilität in der Fertigung und die hohe Qualität der Kleinserien von 1.000 – 5.000 Fahrräder pro Jahr sicherten dem Unternehmen auch in den 1980er bis 1990er Jahren den Bestand.
Im Jahre 2004 hat die Familie Westerheide die Produktion zur Firma Kwasny & Diekhöner verlagert, sodass auch heute noch westerheide®-Fahrräder im westfälischen Bielefeld produziert werden. Das eingespielte Team um Inhaber Martin Skirke und Produktentwickler Martin Switalla arbeitet schon seit Jahrzehnten zusammen.
Die Kombination aus Tradition und Innovation macht ein westerheide®-Fahrrad auch in Zukunft zu einem langlebigen und modernen Qualitätsprodukt. Walter Westerheide sei Dank!
(Quelle: Der Knochenschüttler 7/2004 S.6 (Michael Mertins,Verein für Historische Fahrräder und www.westerheide-fahrrad.de)